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🌿Bindungs- und beziehungsorientierte Begleitung im Alltag: Warum beide Kinder unsere Aufmerksamkeit brauchen

  • 11. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Dez. 2025

Eine Alltagsszene, die vieles sichtbar macht


Gestern im Kindergarten ist etwas passiert, das mich tief berührt hat.

Ein Junge war wütend oder überfordert, warf seinen Schuh – und traf damit ein Mädchen.

Unabsichtlich. So, wie es Kindern ständig passiert.


Doch das, was danach geschah, war der eigentliche Grund, warum ich innerlich stockte.


Mehrere Erwachsene sagten sofort:

„Er wollte das doch nicht.“

„Das war keine Absicht.“


Der Fokus lag plötzlich nur noch darauf, den Jungen zu entlasten.

Das Mädchen – das erschrocken und verletzt war – rückte in den Hintergrund.

Und gleichzeitig blieb auch der Junge mit seinen eigenen Gefühlen vollkommen allein:


  • dem Schreck über das, was passiert ist

  • der Überforderung

  • der Traurigkeit

  • dem „Ich wollte das nicht, aber es ist trotzdem passiert“



Beide Kinder wurden nicht gesehen.


Diese Situation steht exemplarisch für ein häufiges Missverständnis:

Wir beurteilen Situationen aus Erwachsenensicht – und übersehen dabei die innere Welt der Kinder.




🧠Was bedeutet bindungs- und beziehungsorientierte Begleitung wirklich?



Bindungsorientierte Pädagogik ist kein „Wohlfühlkonzept“.

Es ist ein entwicklungspsychologisches Fundament:


✨Jedes Verhalten ist Ausdruck eines inneren Zustands.

✨Kinder brauchen Co-Regulation, nicht Bewertung.

✨Beziehung kommt vor Erziehung.


Es geht nicht darum, Schuld zu verteilen oder Entschuldigungen einzufordern,

sondern darum, emotionale Realität ernst zu nehmen.




💛Das verletzte Kind zuerst halten



Wenn ein Kind verletzt oder erschreckt wurde, ist der erste Schritt immer:


„Ich sehe dich. Du hast dich erschreckt. Ich bin da.“


Das hat nichts mit Schuldzuweisung zu tun, sondern mit Sicherheit.

Kinder brauchen zunächst Beruhigung, Körperkontakt, Worte für ihr Gefühl.


Denn das, was sie fühlen, ist real – auch wenn der Vorfall unabsichtlich war.




💛Und dann das handelnde Kind begleiten



Auch das Kind, das geworfen hat, braucht unsere Aufmerksamkeit.

Viele Erwachsene übersehen, wie belastend unbeabsichtigte Fehler für Kinder sind.


Der Junge in dieser Situation hat vermutlich gespürt:


  • „Das wollte ich nicht.“

  • „Ich habe Angst, Ärger zu bekommen.“

  • „Ich fühle mich schlecht.“

  • „Ich bin überfordert.“



Bindungsorientierte Begleitung bedeutet:


„Du wolltest das nicht. Und es fühlt sich blöd an, wenn so etwas passiert. Ich bin da.“


Erfahrungsgemäß beruhigt sich ein Kind sofort, wenn es merkt,

dass es nicht bewertet, sondern verstanden wird.




🌱Warum „Unabsichtlichkeit“ kein Grund ist, Gefühle zu übergehen



Erwachsene neigen dazu, Situationen schnell zu erklären oder „wegzureden“:


  • „War doch nicht so schlimm.“

  • „Er hat das nicht absichtlich gemacht.“

  • „Das passiert nun mal.“



Für Kinder ist das fatal.


Denn:


Unabsichtlich ändert nichts an der emotionalen Erfahrung.

Ein Schreck ist ein Schreck.

Ein Schmerz ist ein Schmerz.


Und gleichzeitig:

Ein unbeabsichtigter Fehler löst beim anderen Kind ebenfalls Gefühle aus – oft Scham oder Angst.


Wenn wir diese Gefühle nicht begleiten, lernen Kinder nicht:


  • Empathie

  • Verantwortung

  • Selbstwirksamkeit

  • Konfliktfähigkeit



Sie lernen stattdessen:


  • „Meine Gefühle sind nicht wichtig.“

  • „Ich bin allein damit.“

  • „Ich muss funktionieren.“





💬Warum Kinder sich dann ganz von selbst entschuldigen



Viele Eltern glauben, man müsse Entschuldigungen einfordern.

Doch entwicklungspsychologisch ist das Gegenteil der Fall:


👉🏻Kinder entschuldigen sich von selbst, wenn sie emotional gehalten werden.


In einer Atmosphäre von Sicherheit, Verständnis und Verbindung entsteht Empathie ganz natürlich.

Das ist der Grund, warum meine eigenen Kinder sich häufig selbst entschuldigen – ohne dass ich es jemals einfordere.


Kinder müssen Entschuldigungen nicht immer gleich annehmen. Manchmal braucht es Abstand, manchmal etwas Zeit, um sich selbst zu spüren.


Ich selbst entschuldige mich ebenfalls bei meinen Kindern, wenn mir etwas passiert.

Nicht, weil ich „schuldig“ bin,

sondern weil ich ihnen ein Modell gebe:


  • Verantwortung übernehmen

  • Gefühle benennen

  • Beziehung reparieren



Das ist es, was bindungsorientierte Begleitung ausmacht.




💎Expertinnen-Stimme: Die innere Welt beider Kinder zählt



Als Coachin und Pädagogin sehe ich solche Situationen immer zweifach:


Das verletzte Kind braucht Trost, Sicherheit und Worte für sein Gefühl.

Das handelnde Kind braucht Co-Regulation, damit es mit seinem Schreck und seiner Überforderung nicht allein bleibt.


Beziehungsorientiert heißt nicht, dass immer Harmonie herrscht.

Es heißt, dass wir Kinder emotional begleiten, statt ihre Gefühle zu relativieren oder zu ignorieren. Für uns Erwachsene bedeutet das: Gefühle aushalten zu können, ihnen Raum zu geben. Und da sind wir bei uns selbst angekommen. Auch unsere Gefühle brauchen Raum und Halt. Die sollten wir ihnen geben.


Das ist keine „weiche“ Pädagogik –

es ist moderne Entwicklungspsychologie,

die Kinder in ihrer emotionalen Kompetenz stärkt und langfristig resilient macht.




💫Fazit: Verbindung statt Bewertung



Diese Alltagsszene im Kindergarten zeigt etwas Wesentliches:


Kinder brauchen uns – mit unserer Präsenz, unserer Empathie, unserem Blick für beide Seiten.


Nicht Schuld.

Nicht Strafen.

Nicht moralische Appelle.


Sondern:


🌱Co-Regulation

🌱Beziehung

🌱Sprache für Gefühle

🌱Vorbild

🌱Verbindung


So lernen Kinder nicht nur Verantwortung, sondern vor allem eines:


Sich selbst und andere zu fühlen.

Und das ist die Basis jeder gesunden Beziehung – ein Leben lang.🔆


🩷I am Woman.


✅Wenn du lernen möchtest,

  • wie du dein Kind in emotional schwierigen Situationen begleiten kannst,

  • wie du Co-Regulation im Alltag lebst,

  • wie du Konflikte ohne Scham oder Strafen lösen kannst,

  • oder wie du selbst sicherer und gelassener wirst,

dann lade ich dich herzliche zu einem kostenlosen Erstgespräch ein.



Kind auf einer Schaukel




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